Treffen mit Viktor Orbán - Friedrich: "Kohl ist kein belehrender Deutscher"

19.04.2016

n-tv: Altkanzler Helmut Kohl trifft Ungarns umstrittenen Premierminister Viktor Orbán. Der CSU-Politiker Hans-Peter Friedrich sieht darin nichts Schlimmes. Kohl bemühe sich damit lediglich um den Zusammenhalt Europas.

Was für ein Signal geht von dem Treffen zwischen Helmut Kohl und Viktor Orbán aus?
Friedrich: Dass der Ehrenbürger Europas sich immer noch um Europa und seinen Zusammenhalt bemüht und die Gelegenheit zum Dialog nutzt.

Fällt Kohl der Kanzlerin in den Rücken, wenn er sich mit einem ihrer stärksten Kritiker trifft?
Friedrich: Der ehemalige deutsche Bundeskanzler trifft einen mit großer Mehrheit demokratisch gewählten europäischen Staatsmann. Damit leistet er einen Beitrag zur deutschen Außenpolitik. Im Übrigen haben Angela Merkel und Viktor Orbán über viele Jahre sehr eng und sehr vertrauensvoll zusammengearbeitet.

Wir nah stehen sich Orbán und Kohl persönlich und politisch?
Friedrich: Sie kennen und vertrauen sich seit dem Kollaps des Sozialismus in Osteuropa. Viktor Orbán stand früh an der Spitze der ungarischen Freiheitsbewegung. Ohne Leute wie ihn wäre die ungarische Grenze 1989 nicht geöffnet worden, die Mauer vielleicht nie gefallen. Helmut Kohl hat an seiner Dankbarkeit und an der Dankbarkeit der Deutschen insgesamt nie einen Zweifel gelassen, das verbindet die beiden.

Erwarten Sie, dass Kohl Orbán in dem Gespräch auch kritisiert?
Friedrich:Ich gehe davon aus, dass die beiden ein offenes und freundschaftliches Gespräch führen. Es lag Helmut Kohl immer fern, als belehrender Deutscher aufzutreten.

Wie sinnvoll ist das Treffen angesichts des Gesundheitszustands von Helmut Kohl?
Friedrich: Ich freue mich, dass es dem Altkanzler so gut geht, dass er immer noch seine Leidenschaft pflegen kann, Europa zusammenzuführen.

Mit Hans-Peter Friedrich sprach Christian Rothenberg

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