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Fränkischer Tag: Der Zukunftsrat sieht den ländlichen Raum als nicht leistungsfähig an. Das war für uns die Herausforderung, laut die Stimme zu erheben. Wir wollen den ländlichen Regionen eine Stimme geben.
Am Montag tagt erstmals der von ihnen initiierte "Zukunftsrat ländlicher Raum". Was sind die Gründe für eine solche Zusammenkunft? Friedrich: Die Diskussion um die Ratschläge des Zukunftsrats in München hat bei vielen Leuten in den Regionen, die besonders angesprochen wurden, enorme Resonanz ausgelöst. Wir wollen diese Energie für den ländlichen Raum nutzen und verstehen uns als Impulsgeber. Wir wollen den Wert des ländlichen Raums, der vom Zukunftsrat verkannt wird, heraus stellen. In den Räumen der Handwerkskammer für Oberfranken treffen sich deshalb Vertreter der Kammern aus Niederbayern, Oberfranken und der Oberpfalz sowie regionale Bundestags- und Landtagsabgeordnete.
Die ländlichen Gebiete spielen für den Zukunftsrat der Staatsregierung eine eher untergeordnete Rolle. Sie gelten als Peripherie zu den Leistungszentren München und Nürnberg oder sollen sich andere Freunde in benachbarten Bundesländern suchen. Friedrich: Der Zukunftsrat sieht den ländlichen Raum als nicht leistungsfähig an. Das war für uns die Herausforderung, laut die Stimme zu erheben. Wir wollen den ländlichen Regionen eine Stimme geben. Wir knüpfen das an konkrete Bestandsaufnahmen und Forderungen, etwa den Ausbau der Breitband-Versorgung oder Verkehrsinfrastruktur.
Sie binden mit Staatssekretärin Huml auch die Vorsitzende von "Oberfranken offensiv" mit ein, die am Donnerstag eine "Zukunftswerkstatt" abhalten soll. "Oberfranken offensiv" verfolgt doch bereits ähnliche Ziele. Friedrich: Es geht hier nicht um Konkurrenz zu irgendwas. Wir sind auch nicht die Gegenveranstaltung zum Zukunftsrat der Staatsregierung.
Sondern? Friedrich: Wir wollen ein Netzwerk für den ländlichen Raum schaffen. Die durchaus erfolgreichen Aktionen des Agenda-21-Programms müssen mit den Veranstaltungen des Zukunftsdialogs und den Zukunftswerkstätten in den Bezirken verknüpft werden. Der ländliche Raum in Bayern ist in vielen Bereichen schon sehr erfolgreich, aber es gibt noch ungehobene Potenziale, die wir mit vereinten Kräften nutzen müssen. Der Zukunftsrat in München schätzt weder die wirtschaftliche Bedeutung unserer Regionen richtig ein, noch schlägt er die richtigen Maßnahmen vor. Daher wollen wir dem Zukunftsrat in München richtige und wichtige Impulse geben.
Wo liegt der Zukunftsrat Ihrer Einschätzung nach falsch? Friedrich: Er geht davon aus, dass der ländliche Raum an die Metropolen angebunden werden muss, um den Bewohnern mehr Lebensqualität zu geben. Genau umgekehrt muss der Blickwinkel sein. Wir müssen die Lebensqualität und die Wettbewerbsfähigkeit im ländlichen Raum steigern. Dort muss es weiter Kultur, Wirtschaft und Leben geben – auch als Alternative zur Stadt. Bayern muss in allen Teilen sein Potenzial nutzen, nicht nur in den Metropolen. Unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten kann man das vielleicht anders sehen. Aber das ist doch nicht der Maßstab für Politik.
Wird das auch in den Leistungszentren so eingeschätzt? Friedrich: Ja, selbst Kollegen aus den Metropolen sagen: Unsere Städte platzen aus allen Nähten, nehmen ganz ungesunde Entwicklungen. Wir brauchen im Grunde die Attraktivität des ländlichen Raumes, um auch unsere Strukturen zu entlasten und zu verhindern, dass unsere Metropolen an Lebenswert verlieren.
Werden Sie als Stimme der benachteiligten Regionen denn überhaupt gehört? Friedrich: Dafür werden wir sorgen! Die Staatsregierung ist über Staatssekretärin Melanie Huml und die Landtagsabgeordneten mit am Ball. Und schon am 4. April wird es einen großen Kongress im Bundestag geben. Titel: "Zukunft der strukturschwachen und ländlichen Räume." Sie sehen, es wirkt!
© Fränkischer Tag, 25. Februar 2011 |