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Interview mit Dr. Friedrich zum Thema Infrastruktur in Hochfranken (erschienen im Hofer Anzeiger am 06. August 2008):

Hof – Bessere Anbindung der Region über die Schiene, über die Straßen oder gar via Flugzeug? Wenn es um Infrastruktur geht, gibt es viele Wünsche, die in der Region diskutiert werden. Wir haben mit dem Hofer CSU-Bundestagsabgeordneten Dr. Hans-Peter Friedrich gesprochen. Friedrich ist als stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion unter anderem für die Bereiche Verkehr, Bau, Stadtentwicklung, Tourismus und Kommunalpolitik zuständig.


Herr Dr. Friedrich, Sie haben in letzter Zeit immer wieder das Thema „Elektrifizierung der Eisenbahnverbindungen“ angesprochen. Ist die Eisenbahn angesichts der Energiepreisentwicklung die bessere Alternative zum Flugzeug?
Der Flugverkehr wird in der globalisierten Weltwirtschaft weiter an Bedeutung zunehmen. Die unmittelbare Anbindung an ein internationales Luftdrehkreuz, sei es Frankfurt oder München ist und bleibt Qualitätsmerkmal eines Investitions- und Wirtschaftsstandortes. Aber auch die Schiene wird angesichts wachsender Güterströme als umweltfreundliches Transportmittel an Bedeutung gewinnen, deswegen ist dieses Thema für uns in der Region ebenfalls von Bedeutung.


Um den Flughafen Hof-Plauen in Pirk ist es ruhiger geworden. Im Herbst starten die ersten Sanierungsmaßnahmen, doch: Tut sich auch noch was im „Hintergund“?
Erstens ist ganz wichtig, dass Dank des persönlichen Einsatzes unserer Bayerischen Wirtschaftsministerin ein neuer Vertrag mit der Lufthansa ausgehandelt wurde. Wer um sechs Uhr morgens in Hof abfliegt kann um acht Uhr im Flugzeug nach Tokio, nach Sidney oder Chicago sitzen. Dieser Standortvorteil ist für unsere international tätigen Unternehmen durch nichts zu ersetzen. Zweitens ist nach meiner Information die Vorbereitung für die Umsetzung des Plan B, das heißt die Beseitigung des Investitionsstaus aus den letzten Jahren, voll im Zeitplan. Und drittens sind die beiden Interimsgeschäftsführer außerordentlich rührig, was die Vermarktung des Flughafens anbelangt. Zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit darf es dabei keinerlei Denkverbote geben.


Meinen Sie damit die Zusammenarbeit mit Karlsbad…?
Auch das ist eine Option. Wichtig ist, dass Hof/Pirk sich in jeder Kooperation unentbehrlich macht.


Apropos „Karlsbad“: Die Verbesserung der Verkehrsverbindungen nach Tschechien geht nur schleppend voran.
Deswegen wird es höchste Zeit, dass wir die vierspurige Verbindung von Schirnding zur A 93 vorantreiben, die im Bundesverkehrswegeplan in den „vordringlichen Bedarf“ eingestellt ist und deren Notwendigkeit auch niemand bestreitet.


Mit der Anbindung Schirndings meinen Sie jedoch nicht die Fichtelgebirgsautobahn, oder?
Nein, gemeint ist das Verbindungsstück zwischen der tschechischen Grenze und der A93. Aber bevor das gebaut werden kann, muss man wissen, wie der Verkehr dann nach Westend werden soll. D. h., der Streit um die so genannte Fichtelgebirgsautobahn muss vorher entschieden werden. Ich fordere, dass die Entscheidung Ende 2009 endgültig getroffen wird. Wenn man sich beispielsweise gegen eine neue Trasse durch das Fichtelgebirge und den Ausbau der bestehenden B 303 entscheidet, muss man die Verbindung von Tschechien her logischerweise nach Marktredwitz führen.


Was ist mit der Schienenverbindung nach Tschechien?
Bei der Schiene ist und bleibt die Verbindung von Selb nach Asch ein wichtiges Thema. Wir brauchen diese Verbindung für den Personenverkehr, damit die Region über die Grenzen zusammenwächst, unabhängig davon, ob es die Großinvestition  bei Asch geben wird oder nicht.


An der Elektrifizierung scheiden sich die Geister. Die einen wollen nach Nürnberg, die anderen nach Regensburg. Wofür sind Sie?
Beide Verbindungen dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden, sonst bekommen wir am Ende gar nichts und die anderen lachen sich ins Fäustchen. Die Verbindung von Hof nach Marktredwitz liegt sowohl auf der Strecke nach Nürnberg wie nach Regensburg. Gleichzeitig ist der Abschnitt im „vordinglichen Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplans. Wir sollten uns deswegen zunächst auf diesen Abschnitt konzentrieren.


Was wollen Sie diesbezüglich unternehmen oder haben Sie schon unternommen?
Ich habe sowohl mit dem Vorstand der Deutschen Bahn AG wie auch mit dem Bundesverkehrsminister über die Elektrifizierung von Hof nach Marktredwitz gesprochen und habe in beiden Fällen eine positive Reaktion erhalten. Die dafür nötigen Finanzmittel ließen sich aus der Teilprivatisierung der Deutschen Bahn bereitstellen, die für Ende 2008 oder Anfang 2009 geplant ist. Jedenfalls werde ich die Bayerische Wirtschafts- und Verkehrsministerin bitten, die Schienenstrecke von Hof nach Marktredwitz einschließlich der Querverbindung nach Schirnding für die Verwendung der Bahnprivatisierungserlöse in Bayern vorzuschlagen.

06.08.2009