2019 China (Guangxi) – Germany Investment & Cooperation Conference

21.08.2019

Es gilt das gesprochene Wort!

Rede vom Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages und MdB
Dr. Hans-Peter Friedrich bei der „2019 China (Guangxi) – Germany Investment & Cooperation Conference“

Sehr geehrte stellvertretende Direktorin des Handelsministeriums Guangxi – Frau Tan Xiuhong,
Sehr geehrte Botschaftsrätin der Volksrepublik China – Frau Chiu Yuanling,
Sehr geehrter Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft – Herr Michael Schumann,
Sehr geehrte Vorstandsvorsitzende der Guangxi General Chamber of Commerce in European Union – Frau Huang Ping,
Sehr geehrte Delegation des Handelsministeriums des autonomen Gebiets Guangxi,
Liebe Unternehmerinnen und Unternehmer,
Verehrte Damen und Herren,

die fast täglichen Neuigkeiten über China zeigen, wie schnell das Reich der Mitte wächst und die Distanz nach Europa schrumpft. In vielen modernen Technologien ist China auf dem Vormarsch und schafft den Sprung vom Lehrling zum Meister. Das haben auch deutsche Unternehmen verstanden und sind daher offen für Investitionen in China. In Zeiten der Belt and Road Initiative stehen die Sterne besonders gut für eine Brücke zwischen Deutschland, Europa und China.
Ich freue mich, heute hier zu sein und Sie alle zur diesjährigen Guangxi-Germany Investment and Cooperation Conference in Berlin begrüßen zu dürfen.
Die Themen der Konferenz sind wichtige: New Energy Vehicle, intelligente Fertigung, digitale Information, Biomedizin und moderne Logistik. Besonders bei solchen  zukunftsorientierten Themen ist es wertvoll einen vielseitigen Austausch zu haben. Hier sind vor allem Unternehmen gefragt, die in Forschung und Entwicklung investieren und einen Wissensaustausch fördern.
China ist bereit für diesen Austausch – das sieht man an den wirtschaftlichen Aktivitäten, die um den Globus gehen. Die Belt and Road Initiative ist ein Paradebeispiel für die ambitionierte Arbeits- und Denkweise. Die Initiative zählt mittlerweile über 60 Teilnehmerländer aus der ganzen Welt und die Gründung der Asiatischen Infrastruktur Investitionsbank (AIIB) zeigt, mit welcher Größenordnung die Infrastrukturprojekte finanziert und umgesetzt werden. Gleichzeitig bestätigt das ganze Vorhaben die Notwendigkeit und das Interesse zur engen Zusammenarbeit auf internationaler Ebene.
Zudem ist China zum Zugtier der Weltwirtschaft geworden, das etwa ein Sechstel des weltweiten jährlichen Bruttoinlandprodukts produziert. Das Wachstum des chinesischen BIPs wird von der OECD auf rund 6% in den kommenden zwei Jahren geschätzt. Das ist zweimal so viel wie das weltweite BIP Wachstum von geschätzten 3% für die nächsten zwei Jahre. Für deutsche Unternehmen bedeutet das ein wachstumsstarker Markt mit attraktiven Prognosen.
Guangxi ist eine der fünf autonomen Gebiete in China. Bekannt ist Guangxi für seine Landschaft und seine Vielfalt an Kulturen. Giulin’s Berge und Flüße sind bis heute Inspiration für viele und wer sie selbst gesehen hat versteht „Guìlín Shānshuǐ jiātiānxià“ – Guilin’s Berge und Flüße sind die schönsten unter dem Himmel. Eine sehr künstlerische Beschreibung der Landschaft. Kulturell hat die „Zhuang“ Nationalität in diesem Gebiet ihre Wurzeln und lebt mit einer Vielzahl unterschiedlicher Kulturen zusammen. Dadurch ist Guangxi die Region in China mit der größten Anzahl an unterschiedlichen Ethnien. Auch genießt Guangxi darum den Status als „autonomes Gebiet der Zhuang-Nationalität“ im Gegensatz zu einer Provinz. Die Zhuang-Nationalität macht hier 32% der lokalen Bevölkerung aus. Guangxi zeigt sich kulturell vielfältig.
Es ist wichtig, die Natur und die zahlreichen Kulturen in Guangxi zu schützen. Unter der Voraussetzung des Naturschutzes ist es ein wichtiger Schritt dort Industrie anzusiedeln, um die Region wirtschaftlich anzukurbeln. Für dieses Vorhaben hat die Geographie von Guangxi einiges zu bieten.
Guangxi ist das Tor nach Süden und ermöglicht den Zugang zu den ASEAN Ländern Südostasiens. Seit 2004 findet in Guangxi daher die China-ASEAN Expo statt. Auch in diesem Jahr wird die Hauptstadt Nanning im September zur 16. Expo seine Gäste empfangen. Für ausländische Unternehmen ist neben dem lokalen Markt auch der Marktzugang in den Süden ein großer Anreiz, sich gerade hier niederzulassen. Die geographische Wichtigkeit Guangxis wird mit der Belt and Road Initiative weiter anwachsen. Frau Tan leitet das Büro für den Bau des Hafens im Golf von Beibu als Teil des „Neuen Land-Meer Korridors“. Dieser Bau stellt die Infrastruktur für die direkte Verbindung von China nach Südostasien dar und soll die Neue Seidenstraße an Land mit der Seeroute verbinden.

Die deutsche Wirtschaft ist stark und ist vor allem in Bereichen des Maschinenbaus gut aufgestellt. Das sieht man auch daran, dass sich Deutschland seit vielen Jahren unter den Exportmeistern der Welt befindet. Es gehören Fleiß, Mut und vor allem das technische Verständnis für die zukünftigen Marktentwicklungen dazu, um diese Position auch zu verteidigen. Der Wettbewerb ist hart umkämpft und die Digitalisierung mischt für so einige Märkte die Karten neu. Darum müssen die Wirtschaft und die Politik gut zusammenarbeiten, um die richtigen Weichenstellung für die Zukunft vorzunehmen.
Im Mai sagte der Bundesminister für Wirtschaft und Energie Peter Altmaier bei den Tagen der Digitalisierung: „Bei der Digitalisierung der Industrie ist Deutschland ganz vorne mit dabei – und das soll auch so bleiben.“. Die Veranstaltung beweist, dass Deutschland die Wichtigkeit der Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz, Blockchain und Industrie 4.0 im produzierenden Gewerbe, in der Mobilität, in der Gesundheitswirtschaft und im Energiebereich erkannt hat und die Unterstützung von Seiten der Regierung dabei zugesichert bekommt. Unternehmen in diesen Feldern sehen daher zunehmend bessere Rahmenbedingungen. Das ist wichtig, denn deutsche Unternehmen sind innovationsstark und genießen im Ausland einen guten Ruf. Sie scheuen sich nicht vor grenzüberschreitenden Investitionen und Fertigungsanlagen. Zudem ergeben sich auch rechtliche Änderungen in China, die neue Chancen für deutsche Unternehmen bieten: So beispielsweise 2018, als in einer Automobilkooperation eines deutschen Herstellers mit einem lokalen erstmals eine größere Beteiligung als die bisherigen 50% möglich war – und zwar gingen 75% Anteil an der Joint Venture an BMW. Über solche Änderungen müssen deutsche Unternehmen informiert sein, um bestmöglich Entscheidungen fällen zu können.
Diese Konferenz greift mit den Kernthemen den aktuellen Zeitgeist auf. Mit der zunehmenden Digitalisierung und dem steigenden Interesse am Umweltschutz, stehen bisherige Antriebstechnologien und die Grenzen der Logistik und der Informationstechnologie auf dem Prüfstand. Es ist wichtig, dass deutsche Unternehmen jetzt am Ball bleiben, um bei der Digitalisierungswelle nicht aus den Märkten weggespült zu werden.

Angela Merkel hat im März dieses Jahres in Paris angekündigt, dass sie sich während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2020 bemühen wird, zu einem Vollgipfel mit allen EU Mitgliedsstaaten plus China nach Deutschland einzuladen. Deutschland zeigt sich unter der aktuellen Regierung offen für China und die Belt and Road Initiative. Eine deutsche Beteiligung an der Initiative würde viele Chancen für deutsche Unternehmen bedeuten. Dafür bietet eine strategische Planung für die deutsche Wirtschaft wie die Nationale Industriestrategie 2030 eine wichtige Grundlage.
Sichtbar wird jedoch auch: Die Weltwirtschaft und die Forschung wachsen über Ländergrenzen hinweg immer stärker zusammen. Multilaterale Lösungen sind kaum noch eine Frage der eigenen Wahl, denn oftmals sind die Herausforderungen nur noch schwer national zu bewerkstelligen. Besonders gilt das für Forschungsfelder der neueren Technologien. Darum wundert es nicht, dass große Konzerne wie Audi und Huawei bereits im vergangenen Jahr eine Zusammenarbeit im Bereich intelligent vernetzter Fahrzeuge hin zum vollautomatisierten Fahren verkündet haben. Die Digitalisierung und die intelligente Nutzung von großen Datenmengen gehören zu den dominierenden Themen unserer Zeit. Es ist wichtig, dass deutsche Unternehmen in die richtige Forschung investieren und die richtigen Partnerschaften eingehen.
Als Voraussetzung gilt: Multilaterale Lösungen beginnen bei guten bilateralen Beziehungen. Im Fall von Deutschland und China kann die Geschichte zwischen den zwei Ländern bis nach Qingdao in der Provinz Shandong zurückverfolgt werden. Bis heute erzählt man sich hier, dass in den Kanalisationssystemen kleine PKWs durchfahren können – so groß haben sie die Deutschen angeblich Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts angelegt. Wahr ist tatsächlich, dass weite Teile der Kanalisation bis heute in Gebrauch sind und viel Aufwand für ihre Instandhaltung betrieben wird. Ein aktuelleres Beispiel deutsch-chinesischen Austausches ist der Export von deutschem Wissen im Bereich der dualen Berufsbildung. Auch in diesem Bereich genießen wir Deutschen ein sehr hohes Ansehen in China.
Belohnt wird dieses Ansehen auch in Zahlen: China ist der größte Handelspartner für Deutschland. Das Handelsvolumen deutscher Exporte nach China bezifferte sich in 2018 auf 93 Milliarden Euro. Importiert wurde für etwa 106 Milliarden Euro. Hieran hängen viele Kilometer Zugschienen und Seemeilen, aber auch viele Arbeitsplätze.
Es ist also für beide Länder von großem Interesse, eine Zusammenarbeit und einen Austausch auf allen Ebenen auf- und auszubauen: Unternehmen untereinander und Interessenvertretungen ebenso. Im Idealfall entstehen auch Verbindungen privater Natur, sodass man als globale Familie weiter zusammenwächst. Dabei können Unternehmen beider Seiten gleichermaßen kreativ an der Verbindung mitgestalten. Nur so kann eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe und zum beidseitigen Gewinn ermöglicht werden. Die heutige Veranstaltung bietet eine solche Möglichkeit zum fachlichen Austausch und zur Vernetzung untereinander.
Für beide Länder, Deutschland und China, ist es wichtig, sich gut für den sich globalen Wettbewerb zu wappnen. Das erfordert starke Unternehmen mit Innovationskraft und die Bereitschaft Risiken einzugehen. Gleichzeitig sind grenzüberschreitende Allianzen kaum wegzudenken und können einen entscheidenden Vorteil auf den Märkten bedeuten. Darum gilt es, zielstrebig und fair zu verhandeln, um möglichst viele vom globalen Handel profitieren zu lassen.
Es ist verständlich, dass es aufgrund der kulturellen und sprachlichen Unterschiede noch immer viele Hürden gibt, die die Zusammenarbeit und das Verständnis füreinander erschweren. Darum sind Konferenzen wie die heutige wichtig. Es gilt, den unternehmerischen Partner persönlich kennenzulernen und die Ansprechstrukturen für Unternehmen zu verbessern. Das bedeutet Vermittlung, Vernetzung und auch Beratung. Besonders die Industrie- und Außenhandelskammern, wie die DIHK in Deutschland oder ihr Pendant in Guangxi, aber auch die lokalen Behörden können als Anlaufstellen dienen. Die Möglichkeiten darüber hinaus beraten zu werden sind zahlreich.
Darum begrüßen wir unsere chinesischen Gäste aus Guangxi heute nochmals recht herzlich mit einem Gedicht aus der Tang-Dynastie: Hǎi nèi cúnzhījǐ, tiānyá ruò bìlín. Dieses kurze und bündige Gedicht beschreibt eine gute Freundschaft, durch die jede Distanz überwunden wird. Das bedeutet in unserem Fall: China ist der Partner und Wettbewerber in der Ferne. Von beiden Seiten arbeiten wir an der Globalisierung und Freundschaft, sodass die Distanzen zwischen uns zunehmend kleiner werden. Sie alle tragen zu dem gemeinsamen Erfolg bei, dass nicht nur die politische Zusammenarbeit funktioniert, sondern auch die in der Wirtschaft.
Vielen Dank.