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Der demografische Wandel ist eine Chance Drucken E-Mail
21.04.2012

Welt online:  Wir bewegen uns hin zu einer Gesellschaft mit immer mehr älteren Menschen. Auf die Potenziale dieser Entwicklung sollten wir uns konzentrieren. Wichtig ist ein positives und aktives Bild des Alters. Gastbeitrag von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich

Demografie. Der Begriff ist sperrig, das Thema auch. Wie soll man mit der Tatsache umgehen, dass wir alle zwar älter, aber auch weniger werden? Es werden Szenarien entvölkerter Landstriche und verwaister Dörfer entworfen. Demografie oder demografischer Wandel wird als unausweichliche Katastrophe dargestellt für eine nicht mehr so weit entfernte Zukunft. Dabei ist die Definition des Begriffs "Demografischer Wandel" zunächst einmal weder negativ noch positiv. Er bezeichnet nur die Veränderung der Zusammensetzung der Altersstruktur einer Gesellschaft.
Die Fakten für Deutschland und Europa sind dabei eindeutig: Wir bewegen uns hin zu einer Gesellschaft mit immer mehr älteren und immer weniger jungen Menschen. 1970 lag die Geburtenrate in den damals 25 Mitgliedstaaten der EU noch bei 2,35 Kindern pro Frau. Bis heute ist sie auf 1,52 gesunken. Noch leben insgesamt rund 500 Millionen Menschen in der EU.

Die Zahl der über 80-Jährigen wird sich verdreifachen

Aber die Altersstruktur wird sich deutlich verändern, die Bevölkerungszahlen werden schrumpfen. In der Gruppe der 15- bis 65-Jährigen werden es bis 2030 etwa 50 Millionen Menschen weniger sein. Dagegen wird sich die Zahl der über 80-Jährigen im selben Zeitraum verdreifachen. Die Politik nimmt diese Zahlen zur Kenntnis und wird nun die Voraussetzungen dafür schaffen, in dieser Entwicklung Chancen zu sehen, die Potenziale zu nutzen.
Wichtigste Voraussetzung, um die Chancen zu erkennen, ist dabei ein positives und aktives Bild des Alters. Alter bedeutet eben nicht zwingend Stillstand und Langsamkeit. Alter bedeutet vielmehr Erfahrung, Weisheit und vor allem längere Lebenszeit. Studien zur Leistungsfähigkeit von Arbeitnehmern zeigen, dass es nur einen schwachen Zusammenhang von Alter und Produktivität gibt.
Ältere Arbeitnehmer gleichen vieles durch größere Genauigkeit und Qualität ihrer Arbeit wieder aus. Die älteren Arbeitnehmer werden in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen. Durch Weiterbildungsmaßnahmen werden sie mit neuen Techniken und Methoden vertraut gemacht. Durch sie wird das oft zitierte "Lebenslange Lernen" mit Leben gefüllt.

Wie werden wir unsere längere Lebenszeit gestalten?

Das neue Bild des Alters gibt auch der jungen Generation neue Chancen. 85 Prozent der heute Sechs- bis Zwölfjährigen gaben jüngst in einer Umfrage an, dass für sie eine Voraussetzung für ein glückliches Leben ist, "ganz alt zu werden". Dieser Wunsch wird für immer mehr von ihnen Realität. Als die gesetzliche Rentenversicherung im Jahr 1891 eingeführt wurde, erreichten viele noch nicht einmal das Renteneintrittsalter von damals 70 Jahren. Heute dagegen leben die Menschen durchschnittlich noch 15 Jahre nach dem Ende ihrer aktiven Arbeitszeit. Tendenz: steigend. Es sind gewonnene Jahre.
Entscheidend wird sein, wie wir diese längere Lebenszeit gestalten? Wie wollen wir Jung und Alt zusammenhalten? Wie können wir von den Älteren profitieren und wie können die Jüngeren ihre Ideen in die älter werdende Gesellschaft einbringen?
Am 25.04.12 wird die Demografiestrategie der Bundesregierung verabschiedet. Sie beruht auf der Bestandsaufnahme des Demografieberichts vom Oktober 2011 und benennt Chancen und Risiken der demografischen Entwicklung. Gleichzeitig berücksichtigt sie Beispiele des wegweisenden Umgangs mit dem demografischen Wandel in vielen Kommunen Ostdeutschlands.

Senioren bringen sich und ihre Erfahrungen ein

Wie so oft sind die Lösungen vor Ort, auf kommunaler Ebene, viel praktischer und lebensnäher als so manche theoretische Überlegung. Zwei Beispiele: Die Uckermärkische Verkehrsgesellschaft transportiert Güter und Fahrgäste in den gleichen Bussen. Damit kann trotz der gesunkenen Passagierzahlen ein regelmäßiger Fahrplantakt aufrechterhalten bleiben. Die Stadt Oelsnitz motiviert gemeinsam mit drei Nachbargemeinden Senioren dazu, sich und ihre Erfahrungen im Sinne des Gemeinwohls einzubringen – als Stadtführer ebenso wie bei der Kinderbetreuung oder der Begleitung von Azubis und Berufseinsteigern.
Solche konkreten Beispiele fließen in die Demografiestrategie der Bundesregierung mit ein und spiegeln sich in den wichtigsten Zielen der Strategie wider: Zum einen will man eine Plattform schaffen, die es ermöglicht, voneinander zu lernen und Kräfte zu bündeln. In Arbeitsgruppen, die sich künftig zu einzelnen Schwerpunktthemen austauschen werden, kommen Bund, Länder und Kommunen mit Wirtschaft und Bürgern zusammen.
Nicht alles, was auf uns zukommt, kann durch die Bundesregierung geregelt oder entschieden werden. Wichtig ist der Austausch aller Beteiligten. Die Bundesregierung übernimmt die Koordination dieses Dialogs.

Ausbau des Breitband-Internets im ländlichen Raum

Als Zweites verfolgt die Strategie auch konkrete Maßnahmen: Hier denke ich etwa an den Ausbau des Breitband-Internets. Gerade im ländlichen Raum hängt auch für die Unternehmen und ihre Wettbewerbsfähigkeit Entscheidendes davon ab, Zugang zum weltweiten Netz zu haben. Anfang März hat sich die Bundesregierung geeinigt:
Bis 2014 sollen drei Viertel aller Haushalte auf Anschlüsse mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde zugreifen können; bis zum Jahr 2018 soll diese Versorgung in ganz Deutschland sichergestellt sein. Auf Bundesebene hat vor allem die CSU hart für diese unersetzliche Maßnahme gekämpft. Das Beispiel zeigt: Der Begriff "Demografie" ist alles andere als sperrig, sondern konkret. Der demografische Wandel ist keine Katastrophe, sondern eine Chance für jeden, der zusätzliche Jahre für sich gewinnt.

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© "Welt online",  21. April 2012

 
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